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Überbezahlt und unterbewertet –

von Free Agents und steigendem Salary Cap

 

 

von Christoph Lenz

 

Kein geringerer als Yahoo´s Adrian Wojnarowski eröffnete die Free Agency 2015 eine Minute nach Mitternacht des 01.Juli mit folgendem Tweet:

 

New Orleans star Anthony Davis has agreed to a five-year, $145 million maximum contract extension, league source tells Yahoo Sports.

 

Es war die erste von vielen “Woj-Bombs”, wie die Twittergemeinde seine in den allermeisten Fällen zutreffenden und fast immer brandneuen News-Tweets nennt, die in dieser Nacht und den kommenden Tagen auf die NBA-Fans  abgeworfen werden sollte. Nummer zwei folgte 24 Minuten nach der ersten:

 

Free agent Aminu Al-Farouq has agreed to a four year, $30 million deal with Portland, league source tells Yahoo Sports.

 

Die Reaktionen auf diese beiden ersten Unterschriften sind symptomatisch für diese Free Agency. Im Grunde gibt es zwei Fraktionen: die eine sagt überbezahlt, die andere sagt unterbewertet. Beide sprechen aber von verschiedenen Dingen. Die eine Fraktion sieht die Zahlen und fragt sich, ob ein Spieler so viel Geld wert sein kann, also ob seine Leistungen es wert sein können, ihm für einen gewissen Zeitraum eine so hohe Summe zu versprechen. Die Vertreter dieser Fraktion kommen zu dem Schluss, der Spieler wird überbezahlt. Die andere Gruppe meint mit dem Fazit unterbewertet nicht immer nur die Leistung des Spielers sondern beziehen die Entwicklung der Gehaltsobergrenze, des Salary Cap, in den kommenden Jahren in ihre Argumentation mit ein. Durch die Erhöhung der Grenze steigen die Gehälter in neu abgeschlossenen Verträgen automatisch und eine gewisse Summe ist zukünftig viel weniger wert, sagen sie.

 

Wer hat nun Recht? Und wie können wir das herausfinden?

 

 

Salary Cap und Gehaltsanteile

 

Um die neuen Verträge besser bewerten zu können muss man wie bereits erwähnt wissen, dass der Salary Cap in den kommenden Jahren massiven Veränderungen unterliegt. Die Entwicklung des Betrachtungszeitraums reicht von etwa 59 Millionen Dollar in der Saison 2013-14 bis zu (vorhergesagten) 108 Millionen in der Saison 2017-18.

 

Um die Gehälter der einzelnen Spieler in diesen Zeiten der stark schwankender Gehaltsobergrenze besser bewerten zu können hilft es, das Gehalt in Relation zum Salary Cap zu bringen und als Prozentzahl auszudrücken. Bei dieser Betrachtungsweise wird deutlich, wie stark sich der Wert einzelner Verträge über die Jahre verändert. Hier einige Beispiele:

 

2015-16

2016-17

2017-18

2018-19

2019-20

Anthony Davis

10,54%

23,60%

20,83%

24,00%

24,51%

Al-Farouq Aminu

11,18%

8,43%

6,94%

7,50%

-

DeMarre Carroll

20,12%

15,73%

13,89%

15,50%

-

Khris Middleton

22,35%

16,85%

12,96%

13,00%

12,75%

LeBron James

34,23%

26,97%

-

-

-

Stephen Curry

16,95%

13,61%

-

-

-

 

In dieser Tabelle wird deutlich wie stark sich die Veränderung des Salary Cap auf den Wert der Verträge auswirkt. Wie soll man nun diese Prozentzahlen einordnen und einschätzen, welche Leistungen von einem Spieler mit einem gewissen Gehaltsanteil erwartet werden? Hierfür habe ich die Statistiken der letzten beiden Jahre mit den jeweiligen Gehaltsanteilen verglichen und werde anhand der ersten beiden Unterschriften dieser Free Agency zeigen was die jeweiligen Zahlen bedeuten.

 

Der Fall Aminu

 

Nehmen wir als erstes Beispiel Al-Farouq Aminu. Er beginnt seinen Vertrag in Portland mit 11,2% Gehaltsanteil. Dieser Anteil sinkt in den folgenden Jahren bis auf 6,9%. Um mehr Vergleichswerte zu erhalten betrachte ich alle Spieler mit 0,5 Prozentpunkten - mehr oder weniger, also alle Spieler mit Gehältern die zwischen 10,7% und 11,7% bzw. 6,4% und 7,4% des Salary Cap ausmachen.

 

10,7-11,7%

Gehalt in SC%

Punkte / Spiel

Rebounds / Spiel

Assist / Spiel

Kyrie Irving

(14-15)

11,21%

21,71

3,16

5,19

Pau Gasol

(14-15)

11,30%

18,54

11,78

2,69

Kyle Korver

(13-14)

11,52%

11,97

3,97

2,93

Amir Johnson

(14-15)

11,10%

9,25

6,08

1,56

Carl Landry

(13-14)

11,08%

4,22

3,17

0,28

Durchschnitt (aller 25 Spieler)

11,12%

13,14

4,42

2,51

Al Farouq Aminu (13-14)

1,56%

7,15

6,20

1,43

Al-Farouq Aminu (14-15)

6,39%

5,57

4,62

0,80

 

 

6,4-7,4%

Gehalt in SC%

Punkte / Spiel

Rebounds / Spiel

Assist / Spiel

Bradley Beal

(13-14)

7,36%

17,11

3,74

3,33

C.J. Miles

(14-15)

6,67%

13,46

3,06

1,07

Danny Green

(13-14)

6,41%

9,09

3,37

1,53

Kris Humphries

(14-15)

6,74%

7,95

6,50

0,89

Ian Mahinmi

(13-14)

6,82%

3,53

3,34

0,31

Durchschnitt (aller 29 Spieler)

6,91%

8,06

3,69

2,03

Al Farouq Aminu (13-14)

1,56%

7,15

6,20

1,43

Al-Farouq Aminu (14-15)

6,39%

5,57

4,62

0,80

 

Anhand dieser Zahlen sehen wir, welche Leistungen andere Spieler in der Gehaltsklasse von Aminu auflegen. Hier wird deutlich wie groß die Streuung innerhalb der Gruppen ist. Der Beitrag, den Beal und Mahinmi für ihre jeweiligen Teams leisten ist kaum zu vergleichen, aber beide gehören hier zur selben Gruppe. Selbst ohne zu berücksichtigen, dass Aminu in Dallas zuletzt etwa 18 Minuten auf dem Court stand und er in Portlands Rebuild-Squad eine deutlich wichtigere Rolle einnehmen wird, ist davon auszugehen, dass er sowohl die 4,2 Punkte und 3,2 Rebounds von Carl Landry, als auch die 3,5 Punkte und 3,3 Rebounds von  Ian Mahinmi (beide 2013-14) locker knacken kann, da er in den Saisons 2013-14 und 2014-15 bereits stärkere Zahlen verbuchen konnte.

Spannender wird sein, ob seine Leistungen im Vergleich zu den Spielern mit ähnlichen Gehaltsanteilen als durchschnittlich oder sogar überdurchschnittlich bewertet werden können. In der kommenden Saison müsste er 13,1 Punkte, 4,4 Rebounds und 2,5 Assists als Statline aufweisen um als Durchschnitt in seiner Gehaltsgruppe zu gelten. Selbst wenn ich ihm das noch nicht ganz zutraue (ich sehe ihn vielleicht bei 11 Punkten, 6 Rebounds und 2 Assists) ist zu beachten, dass 2015-16 das einzige Jahr ist in dem er zu dieser Gruppe gehört. Danach sinkt der Anteil (auch weil sein Gehalt nicht, wie sonst üblich, jährlich steigt) und damit auch die durchschnittliche Leistung seiner Gehaltsgruppe deutlich. Die 8 Punkte und 3,7 Rebounds, die er in 2017-18 auflegen müsste kann er sicherlich knacken. Man kann sogar argumentieren, dass seine 7,2 Punkte und 6,2 Rebounds, die er als Starter in New Orleans 2013-14 holen konnte schon jetzt stärker einzuordnen sind.

 

Aminu ist erst 24 Jahre alt, er kann sich sicherlich noch mindestens zwei bis drei Jahre lang merklich verbessern, vor allem in einem Umfeld in dem er sehr geschätzt wird (nicht zuletzt von General Manager Neil Olshey, der ihn 2010 bei den Clippers draftete) und in einem Team, für das er auf dem Court eine bedeutendere Rolle ausfüllt als er es in seinen bisherigen Stationen tun musste und durfte. Wenn er sich optimal entwickelt kann er 2017-18 vielleicht zu einem der Top 3 Spieler seiner Gehaltsklasse werden. C.J. Miles ist im Zeitraum zwischen 2013 und 2015 der fünftbeste Scorer, Beal der Beste. Aminu konnte in Dallas als Energizer von der Bank wichtige Erfahrungen sammeln und hat vor allem auch in der Defense Fähigkeiten gezeigt, die für seine neue Aufgabe in Portland wichtig sein werden. Diesen Einfluss kann man (noch) nicht so leicht an Statistiken zeigen, aber zieht man diese Fähigkeit mit in Betracht kann Aminus Vertrag für Portland langfristig gesehen sogar zum Steal werden.

 

 

Der Fall Davis

 

Bei Anthony Davis muss weniger über die mögliche Entwicklung gesprochen werden als bei Aminu. „The Brow“ ,da sind sich alle einig, ist „the next big thing“ in der NBA. Er ist als talentiertester Spieler seiner Generation der legitime Nachfolger von LeBron James, die Frage ist nur ab wann man ihn als den besten aktiven Basketballer bezeichnen wird. Egal ob in einem, drei oder in fünf Jahren, Davis ist jedes Geld der Welt wert, da gibt es keine Diskussion. Trotzdem ist es interessant auf die Anteile zu schauen und einzuordnen mit wem er sich dann in einer Gruppe befindet. Sein Vertrag wird erst zur Saison 2016-17 wirksam, das heißt er wird noch ein Jahr als Über-Schnäppchen spielen, doch selbst danach kann man diesen „Monster-Vertrag“ kaum anders bezeichnen. Nehmen wir als Vergleichsgruppen spaßeshalber die 10,54% der kommenden Saison und vergleichen die Spieler mit 10,04% bis 11,04% und dann das teuerste Vertragsjahr 2019-20 in dem 24,51% des Salary Caps auf sein Konto überwiesen werden. 

 

10,04-11,04%

Gehalt in SC%

Punkte / Spiel

Rebounds / Spiel

Assist / Spiel

Kevin Martin

(14-15)

10,77%

19,97

3,64

2,28

Kyle Lowry

(13-14)

10,58%

17,94

4,67

7,42

Derrick Favors

(13-14)

10,24%

13,29

8,73

1,25

J.R. Smith

(14-15)

10,33%

12,10

3,11

2,79

Brandon Bass

(13-14)

10,94%

11,11

5,73

1,06

Durchschnitt (aller 17 Spieler)

10,56%

11,78

4,36

2,13

Anthony Davis

(14-15)

8,89%

24,35

10,24

2,19

Anthony Davis

(13-14)

9,16%

20,81

10,04

1,57

 

23,51-25,51%

Gehalt in SC%

Punkte / Spiel

Rebounds / Spiel

Assist / Spiel

Russell Westbrook

(14-15)

24,93%

28,15

7,28

8,57

Kevin Love

(13-14)

25,04%

26,10

12,51

4,43

LaMarcus Aldridge

(13-14)

25,35%

23,23

11,09

2,58

Brook Lopez

(13-14)

25,04%

20,71

6,00

0,94

Marc Gasol

(14-15)

25,10%

17,44

7,78

3,79

Durchschnitt (aller 22 Spieler)

24,46%

15,58

7,07

2,75

Anthony Davis

(14-15)

8,89%

24,35

10,24

2,19

Anthony Davis

(13-14)

9,16%

20,81

10,04

1,57

 

Dass er in der kommenden Saison der mit Abstand erfolgreichste Spieler seiner Gehaltsgruppe sein wird steht außer Frage, er kann nicht nur in (fast) jeder der Kategorien alle seine Mitstreiter klar übertreffen, sondern ist auch noch einer der Top 5 Verteidiger der gesamten NBA. Das alles im zarten Alter von 22 Jahren, mit einer fantastischen Arbeitseinstellung, nahezu unvergleichlichen körperlichen Anlagen und einem selten gesehenen Spielverständnis an beiden Enden des Courts. Kann er diese Entwicklung so fortsetzen und schnuppert mit seinen Pelicans auch noch mehr Playoff-Luft, wird er auch in der neuen Gehaltsgruppe ab der Spielzeit 2016-17 dominieren können. Was die Zahlen angeht ist er schon jetzt nah dran, nimmt man seine Defense, seinen Wert für das Team und seinen Einfluss auf das Ergebnis hinzu kann ihm wohl schon jetzt keiner in dieser Gruppe das Wasser reichen. Fear the Brow!

 

Überbezahlt oder unterbewertet? Vielleicht auch überbewertet!

 

All diese Prozentzahlen und Statistiken geben nur einen kleinen Einblick in das Spiel, sie sind aber im Moment die beste, vielleicht auch die einzige Möglichkeit die Verträge der Spieler in den kommenden, turbulenten zwei bis drei Jahren in der NBA realistisch und unvoreingenommen zu bewerten. Im Mindesten geben sie uns eine Vorstellung davon, was man von einem Spieler angesichts seines Gehalts erwarten kann oder erwarten sollte.

 

Jeder im Umfeld der NBA hat eine Position auf der Skala zwischen überbezahlt und unterbewertet, vielleicht  hilft dieser Text und die Zahlen dabei es ein wenig besser einzuschätzen, vielleicht habe ich die Statistiken richtig eingeschätzt, vielleicht habe ich sie aber auch...überbewertet

 

 

 

PS: Hier habe ich noch eine Übersichtstabelle über die durchschnittliche Produktion von Spielern mit gewissen Gehaltsanteilen zwischen 2013 und 2015 um die Werte aller genannten Spieler einzuordnen und natürlich auch zum selbst rechnen

 

Gehalt in %

Anzahl Spieler

Punkte / Spiel

Rebounds / Spiel

Assist / Spiel

0,1-1,0

51

4,30

1,85

1,03

1,1-2,0

111

6,63

3,07

1,43

2,1-3,0

54

6,81

3,51

1,24

3,1-4,0

51

9,33

3,79

2,17

4,1-5,0

51

9,39

3,80

1,96

5,1-6,0

49

9,21

3,98

1,75

6,1-7,0

37

7,50

3,68

1,98

7,1-8,0

30

9,15

4,14

1,82

8,1-9,0

28

10,81

4,24

2,07

9,1-10,0

19

9,70

4,46

1,84

10,1-11,0

18

11,59

4,27

2,05

11,1-12,0

20

13,27

4,33

2,79

12,1-13,0

17

13,28

4,05

3,41

13,1-14,0

17

12,74

4,35

3,10

14,1-16,0

20

12,27

5,12

2,61

16,1-18,0

15

13,83

5,22

3,62

18,1-20,0

18

12,22

6,31

3,28

20,1-22,0

19

12,53

6,51

3,52

22,1-25,0

25

16,33

6,76

3,28

25,1-30,0

13

19,18

7,66

3,36

30,1-35,0

18

19,09

6,21

5,05

>35

8

18,94

5,51

3,47

 

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